Das Glück liegt in den guten, einfachen Dingen – man muss nur aufmerksam sein

Es wird sehr viel darüber diskutiert, wie sich Ernährung auf die Gesundheit und auf den Körper auswirkt, über die steigende Zahl an Unverträglichkeiten und Allergien,  verschiedene Ernährungsformen von vegetarisch bis vegan und verschiedene Diäten und Superfoods, um nur einige zu nennen. Aber welche Rolle spielt Ernährung für das seelische Gleichgewicht? Darüber habe ich mit den psychologischen Beratern  Susanne Marton und Dr. Jürgen Richter gesprochen.

Was genau macht ihr beruflich?

Susanne: Ich biete Hilfestellung und Beratung bei Neuorientierungen und Lebenskrisen. Hier geht es um die Frage „wo stehe ich und wo möchte ich sein.“ Arbeitsplatzverlust oder Trennungen sind häufig Gründe für persönliche Krisen und in solchen Situationen ist es hilfreich mit einer neutralen Person zu sprechen, um neue Wege für sich zu finden. Das zweite Thema ist die Mediation, häufig arbeite ich mit Paaren und helfe Brücken zu bauen und einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen.

Jürgen: Ich arbeite als Unternehmensberater und coache seit vielen Jahren Führungskräfte.

Welche Bedeutung hat die Ernährung für das seelische Wohlbefinden und Gleichgewicht?

Susanne: Ernährung spielt eine essentielle Rolle, denn gute Nahrung stärkt Körper und Seele gleichermaßen. Wer sich nur von Hamburgern und Pommes ernährt, schadet damit nicht nur seinem Körper, es ist auch ein Zeichen, dass diese Person im Umgang mit sich selbst nicht achtsam ist. Würde sie in sich hineinhören, würde sie die Signale, dass diese Ernährung dem Körper nicht gut tut, empfinden. Ich behaupte, dass wer keine Achtsamkeit für sich empfindet, diese auch nur schwer anderen entgegenbringen kann. Erst wenn Körper und Seele eine Einheit bilden, entsteht daraus Lebensenergie.

Viele Menschen leben ein Leben auf der „Überholspur“, das von Stress und Zeitdruck geprägt ist. Müssen wir Achtsamkeit wieder erlernen?

Susanne: Es ist meistens ein Prozess, den wir im Leben durchlaufen, leider häufig gepaart mit negativen Erfahrungen. Auch ich habe bestimmte Fehler gemacht. Ich bin Menschen begegnet, die mir nicht gut getan haben, die mich an mir zweifeln ließen und hatte nicht gelernt rechtzeitig Grenzen zu setzen. Ich unterscheide dabei nicht zwischen guten und schlechten Menschen, aber was für den einen gut ist, muss für einen selbst nicht passen. Es ist unabdingbar ein respektvolles und wohlwollendes Miteinander aufzubauen zu wollen. Wenn die Seele leidet, entwickeln sich daraus auch körperliche Krankheitssymptome. Ich habe mich aus diesen Beziehungen befreit und wieder Selbstliebe entwickelt. Auch das war ein Prozess, ich musste mich dafür zurückziehen, in mich hineinhören, denn in der Stille kommen die Antworten auf die Fragen „was will ich“, „was tut mir gut“. Und es ist wichtig immer wieder Eigenreflexion zu betreiben und sich zu hinterfragen, denn wir verändern uns und damit auch unsere Bedürfnisse.

Wie integriert ihr Achtsamkeit in euren Alltag?

Im Einklang mit Seele und Koerper

Susanne Marton und Dr. Juergen Richter – gutes Essen steht für Leben und Lebendigkeit

Susanne: Mit gutem Essen. (lacht) Mein Mann ist ein super Koch und ich koche auch gerne.

Jürgen: Wir nehmen uns Zeit für gemeinsame Mahlzeiten. Ich habe das Gefühl, je älter man wird, desto wichtiger wird es, sich Zeit zu nehmen. Unter der Wochen nehmen wir uns täglich eine halbe bis dreiviertel Stunde für ein gemeinsames Mittagessen. Wir können dabei abschalten und miteinander reden. Wir machen dafür keinen großen Aufwand, ein schöner Salade Nicoise mit einem guten Dressing, dazu ein gutes Brot mit etwas Butter oder eine gute Pasta mit Tomatensauce machen uns schon glücklich.

Susanne: Das Wochenende hingegen wird richtig zelebriert. Wir gehen zusammen einkaufen, kochen, zünden Kerzen an und hören Musik.

Welche Gefühle löst das bei euch aus?

Jürgen: Zu Hause sein und Wärme spüren. Früher war ich als Unternehmensberater sehr viel auf Reisen. Für mich war es in fremden Städten sehr wichtig angenehme Hotels und gute Restaurants zu finden, um mir etwas Gutes zu tun, weil mir mein zu Hause fehlte.

Susanne: Stell dir vor es ist Herbst oder Winter und draußen ist es windig und kalt und auf dem Herd steht ein großer Topf mit dampfender, frisch gekochter Suppe – das ist doch ein großartiges, heimeliges Gefühl!

Susanne, wie wichtig sind gemeinsame Mahlzeiten für die Qualität einer Beziehung?

Susanne: Sie sind nicht unwichtig, aber sie können eine Beziehung in der Krise nicht retten. Wenn zum Beispiel, einer der Partner ein Genussmensch ist und der andere sich darauf nicht einlassen kann, dann ist es schwierig, denn sie teilen diese Leidenschaft nicht. Vielleicht mögen beide die Oper sehr, dann fällt es weniger ins Gewicht, aber Genuss beim Essen ist ein verbindendes Element. Gemeinsame Leidenschaft ist für eine Beziehung ein ganz wichtiger Faktor.

Wie schnell habt ihr in eurer Beziehung gemerkt, dass ihr beide Genussmenschen seid und euch dies verbindet?

Susanne: Eigentlich schon beim ersten Date. Jürgen hatte mich zum Essen eingeladen und ich habe zum ersten Mal den französischen Weißwein Pouilly Fumé  getrunken, also etwas Neues entdeckt und das fand ich toll. Beim zweiten Date, es war mein Geburtstag, hat Jürgen für mich gekocht. Das hat mir sehr imponiert. Er hat Pasta mit Trüffeln zubereitet – auch Trüffel hatte ich vorher noch nie gekostet. Er hat sich sehr viel Mühe gegeben.

Jürgen, offensichtlich wolltest du Susanne erobern.

Jürgen: Nein, ich wollte sie nicht erobern, ich wollte ihr eine Freude machen, das ist für mich ein Unterschied. Ich wollte einfach, dass sie an ihrem Geburtstag glücklich ist und habe das getan, was ich ganz gut kann, nämlich kochen. Selbstgemachtes kommt vom Herzen.

Susanne: Nach den ersten beiden Dates wusste ich, dass ich mich auf Jürgens Geschmack komplett verlassen kann und habe mit ihm alles probiert, was er mir angeboten hat, so auch Sushi zum ersten Mal mit ihm gegessen.

Ihr seid beide Genussmenschen. Wann habt ihr diese Facette an euch entdeckt?

Susanne: Meine Eltern waren beide berufstätig und ich verbrachte die Tage mit meiner Oma. Sie war gebürtige Ungarin und war über viele Jahre Hauswirtschaftsleiterin und Köchin einer ungarischen Grafschaft gewesen. Ich kannte als Kind weder Essen aus Dosen, noch Tiefkühlkost. Wir hatten einen großen Garten, in dem Gemüse und Früchte angebaut wurden, wir hatten Hühner und Kaninchen, die geschlachtet wurden, es gab einen großen Tisch auf dem der Strudelteig zubereitet wurde, so bin ich aufgewachsen. Eine der schönsten Erinnerungen ist für mich, wenn meine Oma für mich eine Scheibe Brot, welches sie natürlich selbst gebacken hatte, auf dem Ofen geröstet hat und diese dann mit Gänseschmalz und grobem Salz bestreut hat – diesen Geschmack werde ich wohl nie vergessen.

Jürgen: Bei mir war es sehr ähnlich. Wir lebten in Trier an der Mosel und verwendeten auch ausschließlich Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten. Und ich erinnere mich an den wunderbaren Cassis Likör, den mein Großvater immer zubereitete. Die Ernährung meiner Kindheit hat meinen Gaumen geprägt.

Ich danke euch ganz herzlich für dieses wunderbare Gespräch!

Jürgen: Es war uns eine Freude. Weißt du Hermina, das Glück liegt in den guten, einfachen Dingen und man muss nicht einmal suchen, um es zu finden.

Susanne: Man muss nur aufmerksam sein.

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