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Schlangenfleisch schmeckt sehr gut, Krokodilfleisch ist etwas trocken

Gegrillte Insekten, Schlangen- und Krokodilfleisch hat der Kanadier Jean-Claude neugierig probiert. Seine kroatische Ehefrau Gordana, war am Anfang ihrer Beziehung etwas zögerlich, aber die Liebe und Schnecken führten letztendlich zu ihrem kulinarischen Durchbruch.

Gordana, wie alt warst du, als du Kroatien verlassen hast und was war der Auslöser?

Gordana: Ich hatte ein Jobangebot von den Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo und war 27 Jahre alt, als ich meine Heimat verlassen habe, um meine neue Stelle in der Hauptstadt Kinshasa anzutreten.

Jean-Claude, wann hast du dein Heimatland Kanada verlassen?

Jean-Claude: Ich habe 1998 ein Jobangebot der Vereinten Nationen erhalten und meine erste Station war die Zentralafrikanische Republik.

Wie hast du die kulinarische Umstellung empfunden? Hast du bestimmte Speisen vermisst?

Jean-Claude: Nein, ich habe nichts vermisst, denn ich bin von Natur aus neugierig und liebe es neue Speisen zu probieren. Von daher habe ich es als willkommene Möglichkeit gesehen, viele landestypische Spezialitäten kennenzulernen. Ich habe verschiedene gegrillte Insekten, Krokodil- und Schlangenfleisch, Wasserbüffel und Zicklein gegessen, um nur einige zu nennen. Das Schlangenfleisch schmeckte erstaunlich gut, wohingegen das Krokodilfleisch recht trocken war.

Wo habt ihr euch kennengelernt?

Jean-Claude: Wir sind uns in Kinshasa, wo wir beide für die Vereinten Nationen tätig waren, begegnet.

Zwei verschiedene Nationalitäten, wie ich vermute mit unterschiedlichen Esskulturen und ihr begegnet euch in einem dritten Land, der Republik Kongo, mit wiederum gänzlich anderen Ernährungsgewohnheiten – wie seid ihr damit umgegangen?   

Schlangenfleisch und Krokodilfleisch

Gordana and Jean-Claude

Gordana: JC (Jean-Claude) war schon immer und ist immer noch extrem offen für kulinarische Experimente, ich war hingegen eher

zögerlich. Er hat mich diesbezüglich an die Hand genommen und mich Speisen probieren lassen, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie je essen würde, so wie Froschschenkel und Schnecken. Als er mir das erste Mal Schnecken anbot, habe ich abgelehnt und gesagt, dass ich sie nicht mochte. Er fragte mich, wie ich das wissen könne, ob ich sie schon einmal gekostet hätte. Nein, ich hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie probiert und überwand ihm zu Liebe meine Scheu. Er hatte Recht, seither liebe ich Schnecken. Dieses Erlebnis war sozusagen mein kulinarischer Durchbruch, denn seitdem habe ich meine Skepsis für neue Speisen und Aromen überwunden. Heute sind wir beide neugierig und versuchen jede Woche ein neues Gericht zu kochen und das ist spannend.

Ihr habt zwei Kinder, habt in Kinshasa und auf Haiti gelebt und lebt jetzt in Kanada und in Kroatien. Erzählt mir doch ein wenig über euer Lebensmodell.

Gordana: Als ich mit unserer Tochter schwanger war, lebten und arbeiteten wir beide auf Haiti. Wir haben gemeinsam entschieden unsere Kinder in einem sicheren und stabilen Umfeld aufwachsen zu lassen und sind nach Kanada gezogen. Sechs Jahre haben wir in Kanada gelebt, wo auch unser Sohn geboren wurde und sind jedes Jahr nach Kroatien gereist. Vergangenes Jahr haben wir entschieden, einen Großteil des Jahres in Kroatien zu leben, weil der Europäische Lifestyle besser zu unseren Persönlichkeiten passt.

Welche Sprache sprecht ihr zuhause? Welche Sprache sprechen eure Kinder?

Gordana: Als wir uns kennengelernt haben, sprach ich noch kein Französisch, so dass JC und ich  gewohnheitsmäßig miteinander Englisch sprechen. Da wir in Kanada in Quebec leben, dem französischen Teil des Landes, sprechen wir mit unseren Kindern Französisch und als zweite Sprache Englisch. Wenn ich mit den Kindern alleine bin, spreche ich mit ihnen Kroatisch. Wir leben dreisprachig und das funktioniert sehr gut.

Und wie kocht ihr zu Hause?

Jean-Claude: Wir essen sehr abwechslungsreich zu Hause und kombinieren viele Einflüsse und Aromen. Die Zutaten wählen wir je nach Saison und den Orten, an denen wir uns gerade befinden und kaufen vorrangig bei regionalen Erzeugern und Anbietern. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf mediterraner und asiatischer Küche.

Wer von euch beiden kocht öfter zu Hause?

Gordana: Wir können beide gut kochen, in letzter Zeit bin ich etwas häufiger in der Küche. JC liebt es Fleisch zu essen, ich hingegen orientiere mich lieber an Gemüse. Die Herausforderung besteht manchmal darin, Speisen so zusammen zu stellen, das wir beide happy sind.

Gordana was gefällt dir an Kanada besonders gut?

Gordana: Kanada ist ein wunderschönes Land, mit sehr höflichen und freundlichen Menschen. Quebec ist eine Region, in der gutes Essen ganz besonders geschätzt wird. Es wird viel Wert darauf gelegt, lokale Produkte zu kaufen und dadurch auch kleine Farmen zu unterstützen, die Bio Lebensmittel wie Obst und Gemüse, aber auch Käse und Fleisch anbieten.

Gibt es auch etwas, das dir in Kanada missfällt?

Gordana: Das einzige, das mir an Kanada missfällt, ist der lange, kalte Winter.

Jean-Claude, was hältst du von der kroatischen Esskultur?

Jean-Claude: Einerseits finde ich es toll, dass die kroatische Küche traditionell ist, gleichzeitig beanstande ich, dass sie überwiegend traditionell ist. Etwas mehr Innovation würde ihr sicherlich gut tun.

Wie wirken sich die verschiedenen klimatischen Einflüsse der Länder, in denen ihr lebt, auf euren Speiseplan aus?

Gordana: Klar, wenn wir in klimatisch wärmeren Gebieten leben, essen wir leichter, bevorzugen Salate oder eine Pasta. Zur Winterzeit in Kanada dürfen es gerne Braten und herzhaftere Speisen sein.

Gordana, welche ist deine Lieblingsspeise in Kanada und welche in Kroatien?

Gordana: In Kanada esse ich wahnsinnig gerne Hummer und Venusmuscheln. Die Auswahl an Meeresfrüchten ist in der Sommersaison in Quebec einfach wundervoll! Mein Lieblingsgericht in Kroatien ist Oktopus in der Zubereitung „ispod peke“*.

Und du Jean-Claude, welche Lieblingsspeisen hast du in Kroatien und welche in Kanada?

Jean-Claude: In Kroatien liebe ich gefüllte Calamari, wie meine Frau sie zubereitet und die frischen Austern aus Mali Ston, auf der Halbinsel Peljesac in Süd-Dalmatien. In Kanada esse ich im Sommer am liebsten Kaltwasser-Lobster und im Winter Lammbraten aus Charlevoix, natürlich beides begleitet von einem guten Wein 🙂

Gordana and Jean-Claude, thank you and merci beaucoup for this wonderful interview – wish you the very best! Ich danke Gordana und Jean-Claude ganz herzlich für dieses Interview und wünsche ihnen und ihren Kindern alles Gute.

Jean-Claude und Gordana: Deine Idee ein Foodlover-Magazin ins Leben zu rufen, finden wir super! Wir wünschen dir ganz viel Erfolg und senden herzliche Grüße nach Deutschland.

*Oktopus, Gordanas kroatisches Lieblingsgericht, ist eine Krake. „Ispod Peke“ ist eine typisch kroatische Zubereitungsart, bei der alle Zutaten, wie zum Beispiel Fleisch oder Fisch, mit Kartoffeln und Gemüse in einem fest verschlossenen Gusseisen- oder Tontopf in einem Steinofen in der Glut zubereitet werden. Ich werde in Kürze darüber einen Bericht für euch schreiben.

 

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