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Von Göteborg über Deutschland nach Südafrika und wieder zurück nach Deutschland

Wenn jedes Interview so lecker wird, wie bei Asa, muss ich mein Sportpensum erhöhen. Ich hatte das Vergnügen mit der quirligen Kosmopolitin, die in Göteborg geboren ist, einen köstlichen Nachmittag zu verbringen. Asa ist eine so leidenschaftliche Köchin, dass ihre Söhne sie bei der berühmten TV-Kochshow Masterchef angemeldet haben, die ab 25. September auf Sky ausgestrahlt wird.

Asa, wann hast du deine Lust am Kochen entdeckt?

Schon im Alter von acht Jahren. Meine Eltern gehörten der Flower-Power Generation an und wir lebten in Göteborg wie Hippies. Ich habe zwei leibliche Geschwister, eine Adoptivschwester aus Kolumbien und sie haben weitere Pflegekinder aufgenommen, so dass wir eine große Familie waren und ich in der Küche immer mitgeholfen habe. Meine Mutter war damals schon der Überzeugung, dass wir uns nur mit Bio-Lebensmitteln ernähren sollten. Leider waren ihre Kochkünste nicht so ausgeprägt, dass uns ihr Essen geschmeckt hätte. Genau darin sah ich meine Chance es besser zu machen. Ich experimentierte und sie freute sich über mein Engagement, da sie dadurch entlastet wurde, denn sie kochte nicht besonders gerne. Meine Mutter vertraute mir das Haushaltsgeld an und ließ mich einfach machen. Zweimal in der Woche war ich für das Abendessen zuständig und durfte selbständig entscheiden was ich koche und auch die Zutaten selber einkaufen.

Erinnerst du dich noch an die Gerichte, die du damals gekocht hast?

Interview mit Asa

Asa bereitet köstliche Desserts zu

Göteborg liegt ja direkt am Meer, von daher habe ich sehr viel mit Fisch gekocht.

Wie ging es mit deiner Liebe zum Kochen weiter?

Nach dem Abitur habe ich mit einer Freundin eine Weltreise unternommen, die mich sehr geprägt hat. Auf dieser Reise habe ich meine Liebe zu Menschen unterschiedlichster Kulturen und zu den  internationalen Speisen entwickelt. Ich war so voller Eindrücke, dass ich bis heute nicht mehr sagen kann, aus welchem Land ein Gericht stammt, sondern vielmehr eine Vielzahl gespeicherter Aromen und Texturen beim Kochen einfließen lasse.

Welche schwedische Speise löst bei dir gute Gefühle aus?

Zum einen ist es das, was ich als „schlechtes Essen“ bezeichnen würde. Die Süßigkeiten, die Chips und vor allem das schwedische, süßlich schmeckende Brot. Ich würde es nicht mehr jeden Tag essen wollen, aber wenn ich in Schweden bin, gehört es für mich einfach dazu. Die wenigsten wissen, dass wir in Schweden auch sehr gute Hartkäse haben, die ich im Ausland gar nicht bekomme. Und natürlich der fangfrische Fisch, den man in Göteborg immer noch am Hafen direkt vom Fischerboot kaufen kann. Die Qualität ist fantastisch und die Preise, insbesondere für Schalentiere, im Vergleich zu Deutschland sehr niedrig.

Und welche deutschen Lebensmittel würdest du am meisten vermissen, wenn du hier nicht mehr leben würdest?

In Deutschland liebe ich zwei Dinge sehr: das deutsche Brot und die Autobahn, weil ich gerne schnell Auto fahre.

Dein Mann ist Südafrikaner und ihr habt euch in Deutschland kennengelernt. Welche südafrikanischen Einflüsse finden sich in deiner Küche?

Ja, ich habe meinen Mann im Deutschkurs in Göttingen kennengelernt. Er hat in Deutschland gearbeitet und ich wollte Deutsch lernen, um anschließend in Göteborg zu studieren. Aber dann habe ich mich in ihn verliebt und habe entschieden in Deutschland zu studieren. Als ich mit meinem ersten Sohn schwanger war, sind wir nach Südafrika gezogen, ein Land das wirklich ein Melting Pot ist und eine unglaubliche kulinarische Vielfalt bietet. Es gibt die englische Küche mit starkem, afrikanischen Einfluss, so dass sie besser schmeckt, als in England, die Afrikanische Küche mit vielen Mais- und Hähnchengerichten, die Afrikaans Küche ist geprägt von Fleisch- und Süßspeisen und die Malaiküche mit viel Wild und Curries, nur um einige zu nennen. Was ich noch nie zuvor probiert hatte ist Biltong, das ist luftgetrocknetes Wildfleisch mit einer Konsistenz wie Chips, welches häufig als Snack zum Aperitif gereicht wird. Nach zwei Jahren sind wir wieder zurück nach Deutschland gezogen, weil ich mein Studium beenden wollte und wussten nicht wie lange wir bleiben würden. Jetzt sind achtzehn Jahre verflogen und natürlich bleiben wir zumindest, bis die Jungs ihre Schule und Ausbildung beendet haben und dann sehen wir weiter.

Wie kochst du heute mit all diesen internationalen Einflüssen  zu Hause?

Ich würde sagen achtzig Prozent feurig, weil wir alle gerne pikant bis scharf essen. Meine Küche ist heute kosmopolitischer denn je. Städte wie Kapstadt, Stockholm und Berlin sind mir sehr ans Herz gewachsen, denn dort entdecke ich immer etwas Neues, sie setzen wirklich Foodtrends und offensichtlich ist die Bevölkerung dafür offen und nimmt diese an. Deutschland finde ich, mit der Ausnahme von Berlin, kulinarisch recht konservativ. Kochen und gutes Essen sorgen für Wohlbefinden und lösen Glücksgefühle aus, nicht nur bei mir, sondern bei der ganzen Familie und unseren Freunden, die sehr gerne zum Essen zu uns kommen.

Du warst all die Jahre eine working mom, also voll berufstätig. Wie hast du die Kindererziehung, deine Leidenschaft für das Kochen und deinen Job in einer Führungsposition unter einen Hut gebracht?

Einundzwanzig Jahre habe ich mit einem schlechten Gewissen gelebt. Ich verstehe nicht, warum Deutschland im Vergleich zum europäischen Ausland immer noch so unterentwickelt ist, was die Kinderbetreuung angeht. Unter der Woche wurde bei uns nicht viel gekocht, das hätte ich nicht geschafft. Meine Söhne sind sehr selbständig erzogen und haben früh gelernt ein Abendessen zuzubereiten, somit hat der angefangen es zuzubereiten, der zuerst zu Hause war. Am Wochenende habe ich dafür manchmal sogar zweimal am Tag gekocht und häufig haben wir Freunde eingeladen und unsere Söhne haben ihre Freunde mitgebracht, weil alle wussten, dass es immer etwas Leckeres zu essen gibt. Aber jetzt habe ich es geschafft, denn meine Jungs sind mittlerweile 18 und 21 Jahre alt.

Und haben dich jetzt bei der TV-Kochsendung Masterchef angemeldet. Wie ist es dort?

Es sind sehr gute Köche dabei und es ist ein tolles Erlebnis. Bei den Desserts fühle ich mich nicht ganz so sicher, weil wir zu Hause relativ wenige Nachspeisen essen. Aber du musst jetzt meine neuesten Kreationen probieren und mir sagen, wie du sie findest.

Und so habe ich mich durchs Asas köstliche Desserts geschlemmt und das Beste ist, dass auch ihr sie zu Hause zubereiten könnt, denn Asa ist so lieb und stellt euch ihre Rezepte zur Verfügung.

Danke liebe Asa, für das tolle Gespräch und den wundervollen Nachmittag. Wir drücken dir ganz fest die Daumen für Masterchef und ich freue mich jetzt schon riesig auf die Ausstrahlung im September!

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